Zeit ist Jetzt

Erstveröffentlichung April 2016 - Version vom 21. Juni 2020 - Lesedauer 20 Minuten

 "Nichts ist so, wie es scheint"  

Einleitung

Menschen leben in der Natur (Öko), sind beseelte Körper (Bio), erzeugen in Wechselwirkung mit Gesellschaft und Kultur (Sozial), Denken, Verstand und Bewusstsein (Psyche). Das besondere Kennzeichen von Menschen ist die Fähigkeit, sich selbst und anderen Geschichten zu erzählen.

Der eigene Leib und meine Geschichten sind mir - einem Ökö-Bio-Sozial-Psyche-Wesen - die wesentlichen Elemente, um das Leben zu geniessen. Die innere Bindung an den eigenen, beseelten Körper und schöne Geschichten, das ist mein Weg ins Paradies.

Diese Geschichte möchte vermitteln, warum weniger mehr ist, wWie im Loslassen, Nichts-tun, Nichts-Wollen der Weg zu einem selber führen kann. Aber es ist meine Geschichte. Erlauben sie sich bitte ihre eigene Meinung, ihre eigene Geschichte.

Ganz im Sinne von Michael Hampe´s dritter Aufklärung wünsche ich Ihnen ein Leben ohne Illusionen und ohne Grausamkeiten gegenüber sich selbst und Ihrer Mitwelt.

Wie begann mein Weg?

Eine Krise führte mich im November 1996 zu einer intensiven Psychotherapiewoche. Diese zeitigte unmittelbar spürbare körperlichen Folgen:

Meine Sehschwäche verringerte sich um 1/3, die Körperspannung lockerte sich extrem. Der hüftsteife Eifelbauer - seit drei Monaten Salsa tanzend - verwandelte sich in einen beweglichen Salsero.

Aufgrund dieser erlebten, engen Wechselwirkung von beseeltem Körper und Psyche*, entstanden erste Ideen, ob vieles ganz anders sein könnte, als ich bisher glaubte.

*Ich verzichte an dieser Stelle auf den Begriff Seele, weil ich keinerlei Glauben an transzendente, jenseitige Dinge hege. Beseelter Körper (=Leib) soll zum Ausdruck bringen, dass es nicht nur Materie ist, die den Körper ausmacht, sondern dazu kommt Lebensenergie und  Lebensfreude. Jeder Körper, der lebt, ist für mich immer beseelt.

Nicht nur mein Körper, sondern auch mein gesamtes Leben wurde in allen Belangen sehr viel beweglicher: Zusätzlich zum Tanzen von Tango, Salsa, Bachata, Merengue, Zouk erlebte ich auch noch Yoga, Reiki, Tantra, Feldenkrais mit Gesang, Golf und Ausdauersport in Form von Marathon und Triathlon (Ironman).

Neugierde, Lebens- und Lernfreude führten mich zu verschiedenen Aus- und Weiterbildungen. Lernen von Spanisch, Niederländisch, Italienisch. Lesen und Nachdenken in Sachen Hirnforschung, Psychologie und Philosophie.

Entscheidend für mich war dabei die Lektüre von Hans Jürgen Scheuerle´s Buch "Das Gehirn ist nicht einsam". Dadurch verwandelten im Herbst 2016 meine Ansichten über das Gehirn. Seiner Ansicht nach, wird im Gehirn nicht ein Gedanke gedacht. Vielmehr sind es Rhythmus und Resonanzen. Die Nachzeitigkeit von Sinneswahrnehmung und Bewusststein, basieren auf einem Körper mit einem Körperteil namens Gehirn und den diversen Nervensystemen, in Bewegung und Interaktion mit der Umwelt. Das Verstehen der Welt findet nicht im Gehirn, sondern durch Wechselwirkung des ganzen Körpers mit seiner Umwelt statt. Nichst-Tun bzw. "Nein-Sagen" bilden den "freien Willen".

Nein-Sagen ist schon seit Kindertagen eine Stärke von mir. Nein-Sagen verschafft Freiraum zum eigenen Tun. Damit schloss sich für mich ein Kreis: Nein sagen, Reduzierung anstatt Wachstum, Tanzen, Bewegung, den eigenen Rhythmus leben, den Augenblick genießen. "Sein" statt "Haben", dem Leib mehr vertrauen, als dem Verstand. Ist Denken vielleicht nur ein Sinn?

Scheurle plädiert für die Monadenlehre von G.W. Leibniz. Ausdrücklich ist das in seinem Buch auf den Seiten 96 bis 101 erläutert.

Diese interpretiere ich jedoch anders: Die Monaden beginnen für mich nicht im ganz Großen (bei Gott), sondern bei den kleinsten Materie-Bausteinen. Bewusstsein (Ich-Monade) gibt es nicht ohne Körper, sondern bildet sich auf der Basis aller Zellen, Gewebestrukturen, Organe, Körperteile, die den gesamten Körper bilden. Diese haben jeweils ihr eigenes Bewusstsein, verbunden durch das Nervensystem.

Dazu gehören auch noch viele "Fremde" in uns: Bakterien, Viren und Pilze, die für uns lebensnotwendig sind. Die Summe aller Bewusstseine in einem Körper in Wechselwirkung mit anderen Subjekten bildet die "Ich-Monade" - den sogenannten Ego-Trick. Mithin ist das "Ich" eine intersubjektive Wirklichkeit, die nur gemeinsam mit anderen Subjekten entstehen kann.

Ich glaube also, dass die vordergründige Einheit eines Menschen in Wirklichkeit die mit Hilfe des Nervensystems konstruierte Summe einer Vielheit im Austausch mit Anderen ist. Das Ich entsteht am Du.

Im nächsten Kapitel versuche ich - ausgehend von Betrachtungen zur Gegenwart - noch eine andere Begründung, warum es sinnvoll ist, den Körper ernster zu nehmen als das Bewusstsein.

Gedanken zur Gegenwart

Die Ursache allen Seins mag im Dunkeln liegen, aber es gibt Worte, welche diesen rätselhaften Urgrund umschreiben: rûaḥ (רוּחַ), Pneuma (πνεῦμα), Geist, Hauch, Odem, Atem, Alles, Energie, Ki (き), Qi (氣), Prana, Dao, Gott, Schöpfung, Lebens­energie, Lebensfreude.

Alles was existiert, soll daraus bestehen.

Genau dieser Stelle halte ich das Wort "Seele" für angebracht. 

Seele ist für mich "Lebensfreude". Es besteht keine Verwechslungsgefahr mit dem Begriff "Psyche" (=Geist). Der Dreiklang Körper-Geist-Seele ergibt so einen etwas anderen Sinn.

Wann existiert alles?

Offensichtlich immer in der Gegenwart.

Viele Menschen aber scheinen in der Vergangenheit zu verharren oder auf die Zukunft zu warten. Kann es sein, dass wir Menschen es schaffen, Vergangenheit und Zukunft zu denken (zeitigen), dabei aber vergessen, dass es immer nur Gegenwarte sind, die entweder vergangen sind, gerade stattfinden oder noch kommen?

Warum ein Plural von Gegenwart?

Weil jeder Ort im Universum eine eigene Gegenwart hat. Im kosmischen Maßstab sieht man das leicht ein: Die Gegenwart der Sonne und die der Erde liegen ca. 8 Minuten auseinander. Sollte die Sonne also plötzlich nicht mehr existieren, dann würde es in der Erdgegenwart erst 8 Minuten später bemerkt werden können. Im mikroskopischen Maßstab bedeutet es, dass z.B. jedes Atom seine eigene Gegenwart hat. Oder anders gesagt: Nur im selben Raumquant gibt es dieselbe Gegenwart.

Wie lange dauert Gegenwart?

Die "klassische" Physik nach Isaac Newton und die "moderne" Physik nach Werner Heisenberg und Albert Einstein befassen sich nicht mit dieser Frage. Dort wird die Frage der Gleichzeitigkeit von Ereig