Zeit ist Jetzt

Erstveröffentlichung April 2016 - Version vom 22. Mai 2020 - Lesedauer 20 Minuten

 "Nichts ist so, wie es scheint"  

Einleitung

Menschen leben in der Natur (Öko), sind beseelte Körper (Bio), erzeugen in Wechselwirkung mit Gesellschaft und Kultur (Sozial), Denken, Verstand und Bewusstsein (Psyche). Das besondere Kennzeichen von Menschen ist die Fähigkeit, sich selbst und anderen Geschichten zu erzählen.

Der eigene Leib und meine Geschichten sind mir - einem Ökö-Bio-Sozial-Psyche-Wesen - die wesentlichen Elemente, um das Leben zu geniessen. Die innere Bindung an den eigenen, beseelten Körper und schöne Geschichten, das ist mein Weg ins eigene Paradies.

Diese Geschichte möchte vermitteln, warum weniger mehr ist. Wie im Loslassen, Nichts-tun, Nichts-Wollen der Weg zu einem selber führen kann. Aber es ist meine Geschichte. Erlauben sie sich ihre eigene Meinung, ihre eigene Geschichte.

Ganz im Sinne von Michael Hampe´s dritter Aufklärung wünsche ich Ihnen ein Leben ohne Illusionen und ohne Grausamkeiten gegenüber sich selbst und Ihrer Mitwelt.

Wie begann mein Weg?

Eine private Krise führte mich im November 1996 zu einer intensiven Psychotherapiewoche. Diese zeitigte unmittelbar spürbare körperlichen Folgen:

Meine Sehschwäche verringerte sich um 1/3, meine Körperspannung lockerte sich extrem. Der hüftsteife Eifelbauer, der seit drei Monaten Salsa übte, verpuppte sich  - quasi über Nacht - zum locker-beweglichen Salsero.

Aufgrund dieser selbst erlebten, engen Wechselwirkung von beseeltem Körper und Psyche*, entstanden erste Ideen, ob vieles ganz anders sein könnte, als ich bisher glaubte.

*Ich verzichte an dieser Stelle auf den Begriff Seele, weil ich keinerlei Glauben an transzendente, jenseitige Dinge hege. Beseelter Körper (=Leib) soll zum Ausdruck bringen, dass es nicht nur Materie ist, die den Körper ausmacht, sondern dazu kommt Lebensenergie und  Lebensfreude. Jeder Körper, der lebt, ist für mich immer beseelt.

Beruflich und privat folgten drei Wilde Jahre. Ich wurde u.a. Yoga-Trainer, kam mit Reiki in Berührung, besuchte Tantra-Seminare, lernte die Feldenkrais-Methode kennen, ging 4 bis 6 mal in der Woche Salsa und Tango-Argentino tanzen. Für noch mehr Bewegung sorgten später Marathon und Triathlon (Ironman).

Neugierde, Lebens- und Lernfreude führten mich zu verschiedenen Aus- und Weiterbildungen. Lernen von Spanisch, Niederländisch, Italienisch. Lesen und Nachdenken in Sachen Hirnforschung, Psychologie und Philosophie.

Hans Jürgen Scheuerle´s Buch "Das Gehirn ist nicht einsam" verwandelte im Herbst 2016 meine Ansichten über das Gehirn. Rolle und Funktion des Gehirns denkt er erfrischend anders: Rhythmus und Resonanz anstatt Gedanken. Nachzeitigkeit von Sinneswahrnehmung und Bewusststein, basierend auf einem Körper mit einem Körperteil namens Gehirn und den diversen Nervensystemen, in Bewegung und Interaktion mit der Umwelt. Das Verstehen der Welt findet nicht alleine im Gehirn, sondern durch Wechselwirkung des Körpers mit seiner Umwelt statt. Nichst-Tun bzw. "Nein-Sagen" bilden den "freien Willen".

Nein-Sagen ist schon seit Kindertagen eine Stärke von mir. Nein-Sagen verschafft Freiraum zum eigenen Tun. Damit schloss sich für mich ein Kreis: Nein sagen, Reduzierung anstatt Wachstum, Tanzen, Bewegung, den eigenen Rhythmus leben, den Augenblick genießen. "Sein" statt "Haben", dem Leib mehr vertrauen, als dem Verstand. Ist Denken vielleicht nur ein Sinn?

Scheurle plädiert für die Monadenlehre von G.W. Leibniz. Ausdrücklich ist das in seinem Buch auf den Seiten 96 bis 101 erläutert.

Diese interpretiere ich jedoch anders: Die Monaden beginnen für mich nicht im ganz Großen (bei Gott), sondern bei den kleinsten Materie-Bausteinen. Bewusstsein (Ich-Monade) gibt es nicht ohne Körper, sondern bildet sich auf der Basis aller Zellen, Gewebestrukturen, Organe, Körperteile, die den gesamten Körper bilden. Diese haben jeweils ihr eigenes Bewusstsein, verbunden durch das Nervensystem.

Dazu gehören auch noch viele "Fremde" in uns: Bakterien, Viren und Pilze, die für uns lebensnotwendig sind. Die Summe aller Bewusstseine in einem Körper in Wechselwirkung mit anderen Subjekten bildet die "Ich-Monade" - den sogenannten Ego-Trick. Mithin ist das "Ich" eine intersubjektive Wirklichkeit, die nur gemeinsam mit anderen Subjekten entstehen kann.

Ich glaube also, dass die vordergründige Einheit eines Menschen in Wirklichkeit die vom Nervensystem konstruierte Summe einer Vielheit im Austausch mit anderen Subjekten ist. Das Ich entsteht am Du.

Im nächsten Kapitel versuche ich - ausgehend von Betrachtungen zur Gegenwart - noch eine andere Begründung, warum es sinnvoll ist, den Körper ernster zu nehmen als das Bewusstsein.

Gedanken zur Gegenwart

Die Ursache allen Seins mag im Dunkeln liegen, aber es gibt Worte, welche diesen rätselhaften Urgrund umschreiben: rûaḥ (רוּחַ), Pneuma (πνεῦμα), Geist, Hauch, Odem, Atem, Alles, Energie, Ki (き), Qi (氣), Prana, Dao, Gott, Schöpfung, Lebens­energie, Lebensfreude.

Alles was existiert, soll daraus bestehen.

Genau dieser Stelle halte ich das Wort "Seele" für angebracht. 

Seele ist für mich "Lebensfreude". Es besteht keine Verwechslungsgefahr mit dem Begriff "Psyche" (=Geist). Der Dreiklang Körper-Geist-Seele ergibt so einen etwas anderen Sinn.

Wann existiert alles?

Offensichtlich immer in der Gegenwart.

Viele Menschen aber scheinen in der Vergangenheit zu verharren oder auf die Zukunft zu warten. Kann es sein, dass wir Menschen es schaffen, Vergangenheit und Zukunft zu denken (zeitigen), dabei aber vergessen, dass es immer nur Gegenwarte sind, die entweder vergangen sind, gerade stattfinden oder noch kommen?

Warum ein Plural von Gegenwart?

Weil jeder Ort im Universum eine eigene Gegenwart hat. Im kosmischen Maßstab sieht man das leicht ein: Die Gegenwart der Sonne und die der Erde liegen ca. 8 Minuten auseinander. Sollte die Sonne also plötzlich nicht mehr existieren, dann würde es in der Erdgegenwart erst 8 Minuten später bemerkt werden können. Im mikroskopischen Maßstab bedeutet es, dass z.B. jedes Atom seine eigene Gegenwart hat. Oder anders gesagt: Nur im selben Raumquant gibt es dieselbe Gegenwart.

Wie lange dauert Gegenwart?

Die "klassische" Physik nach Isaac Newton und die "moderne" Physik nach Werner Heisenberg und Albert Einstein befassen sich nicht mit dieser Frage. Dort wird die Frage der Gleichzeitigkeit von Ereignissen definiert und untersucht. Ein Zeitpunkt hat bei klassischen Physikern keine Ausdehnung.

Wenn aber alles in seiner Gegenwart existiert, dann muss diese eine Ausdehnung haben. Wie könnte etwas sein, wenn die Ausdehung gleich Null wäre? Wenn Materie und Energie gequantelt sind, warum nicht auch dieses "Jetzt"?

Das "Jetzt" der Gegenwart ist vermutlich ein Zeitquant. Die Länge liegt vielleicht zwischen Planck-Zeit (10−43 Sekunden) und einem Chronon (2×10−23 Sekunden). Ich folge damit einer Idee von Carlo Rovelli. Er meint, dass Zeit und Raum gequantelt sind.
Das "Jetzt" ist damit so klein, dass Lebewesen mit dreidimensionalen Körpern und mehr oder weniger Bewusstsein es unmöglich gleichzeitig in ihrem gesamten Körper erleben und verarbeiten können.

Denn:

  1. Informationen werden nicht unendlich schnell, sondern höchstens mit Lichtgeschwindigkeit übertragen. Informationen, Ereignisse, usw. benötigen darum Zeit, um von ihrem Entstehungsort zu einem anderen Ort zu gelangen (z.b. zu einem unserer Körperteile, wie Auge, Ohr, Haut, etc.).
  2. Der Körper benötigt Zeit, um dies mit seinen Sinnen zu bemerken und reflexhaft zu reagieren.
  3. Das Bewußtsein benötigt noch mehr Zeit für die sinnvolle Erklärung dessen, was die Sinne soeben bemerken, um z.B. reflexhafte oder gerade anlaufende Handlungen noch zu stoppen, laufen zu lassen (schnelles Denken) oder sich etwas anderes auszudenken (langsames Denken).


Darum sind Ereignisse nur zeitversetzt wahrnehmbar:

  • sinnliche Wahrnehmung und reflexhafte Reaktion nach ca. 50-200 Millisekunden,
  • bewusstes Wahrnehmen und Reagieren frühestens nach ca. 500 Millisekunden.


Also findet Leben auf mehreren zeitlichen Ebenen statt.

  • Der Körper ist im "Jetzt"*.
  • Die Sinnesorgane erzeugen Sinneswahrnehmungen aus dem, was vor knapp 50-100 ms gewesen ist. Der Körper reagiert nach ca. 200 ms mit Reflexen.
  • Die Psyche erzeugt ihr bewußtes Weltbild aus den Wahrnehmungen der Sinne nach ca. 1/2 Sekunde. Danach kann der Körper bewusst reagieren und handeln. 


*ganz genau genommen sind es viele "Jetzt"-Zonen in einem dreidimensionalen menschlichen Körper. Weil wir das aber nicht so wahrnehmen können, spreche ich vereinfachend von einem "Jetzt". Ein Chronon ist so winzig kurz, dass es mehrere Jetzt-Zonen sogar innerhalb von einzelnen Zellen gibt.

Erschwerend kommen evolutionär bedingte Eigenschaften hinzu, welche der Konstruktivismus gut erläutern kann. Aus den Zeitebenen folgen mehrere Ebenen der Wirklichkeit. Diese stellen sich in Anlehnung an die Ideen von Paul Watzlawick so dar:

  • Es gibt eine Wirklichkeit an sich, unabhängig von einem Beobachter. Der Körper mit all seinen eigenen Zellen und Mitbewohnern ist ein Teil davon. Eine Untermenge dieser Wirklichkeit an sich ist die Wirklichkeit 1. Ordnung. Das sind alle Tatsachen, die sich in der Beobachtung oder experimentell objektiv feststellen lassen, d.h. wenn die Wiederholung derselben Untersuchung dasselbe Resultat ergibt.
  • Sinnesorgane erzeugen Sinneswahrnehmungen, abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand, Tagesform, Stimmung, Körperhaltung, von Glaubenssätzen, Erfahrungen, Vorprägungen, Zielen, Plänen, usw.. Diese sind dadurch fehleranfällig. Glauben Sie bitte nicht, dass die Wahrnehmungen Ihrer Sinne die Wirklichkeit an sich korrekt wiedergeben.
  • Jeder Mensch erzeugt mit seiner Psyche in Interaktion mit der Umwelt seine eigene Wirklichkeit 2. Ordnung. Zu den fehleranfälligen Sinneswahrnehmungen kommen persönliche Erfahrungen und Verstandesleistungen. Das ergibt ein privates Weltbild, stark geprägt durch: Charakter, Gesundheitszustand, Tagesform, Stimmung, Körperhaltung, Glaubenssätzen, Erfahrungen, Vorprägungen, Ziele, Pläne.


Eine Anmerkung zum Begriff "Stimmung", der die Sinneswahrnehmungen und Psyche massiv beeinflußt: Die Stimmungslage, welche die Basisbühe darstellt, auf der das persönliche Erleben und die inneren Dialoge ablaufen, ist vom Hormonhaushalt abhängig.

Warum Sinnesorgane und Psyche so eigentümlich funktionieren, verdanken wir unserer Entwicklung. Es ging beim Überleben oft nicht darum, langwierige Überlegungen anzustellen.

Die Frage "Was leuchtet da im Dunkeln, ein Glühwürmchen oder das Auge eines Säbelzahntigers?" sorgfältig zu beantworten, wäre für das Überleben als Sammler und Jäger unsinnig gewesen. Wer blitzartig die Flucht ergriff, überlebte eher als der Langsame. Um schnell zu sein, nehmen Sinnesorgane und Psyche Abkürzungen. Die Verarbeitung aller ankommenden Informationen, die Abwägung aller nur denkbar möglichen Handlungen würden zu ewiger Grübelei führen.

Schnelles Handeln, trotz unvollständiger Sinneswahrnehmung und fehlerhaftem Denken, war evolutionär von Vorteil gegenüber perfekter Sinneswahrnehmung und perfektem Denken.

Das gilt auch in vielen Situationen des heutigen Lebens.

Dazu zwei Beispiele:

  • Wir würden schon bei der Wahl eines für immer und ewig zu uns passenden Gegenüber scheitern. Zunächst gelte es, alle möglichen Alternativen sorgfältig zu prüfen. Dennoch bliebe die Unsicherheit, ob sich nicht noch etwas Besseres finden ließe. So würde die Suche garantiert immer und ewig dauern und man käme nie ans Ziel.
  • Selbst das eigentlich simple Herstellen eines Butterbrotes könnte länger dauern, wenn alle möglichen Varianten der Zubereitung zunächst sorgfältig abzuwiegen wären. Es geht natürlich schneller, wenn man genau eine Brotscheibe, ein Stück Butter und einen Belag zur Auswahl hat.


Die Wirklichkeit 2. Ordnung kann also relativ wenig mit der Wirklichkeit an sich gemein haben. Meistens passen unsere Erkenntnisse mehr oder weniger gut zur Wirklichkeit an sich und zu den Milliarden Wirklichkeiten 2. Ordung der anderen. Sonst wären wir im Laufe der Evolution längst ausgestorben.

Das ist allerdings kein Grund, den eigenen Gedanken, Ideen und Interpretationen der Wirklichkeit unkritisch gegenüber zu stehen. Den Aussagen anderer zu glauben, denen es genau so geht, ist noch fragwürdiger.

Misstrauen ist eine sinnvolle Grundhaltung sein.

Wenn für unseren Verstand also nichts so ist wie es scheint, man sich seine Wirklichkeit 2. Ordnung offensichtlich zusammen fabuliert, dann kann man diesen Umstand auch nutzen, kreativ damit umzugehen. Denn die Wirklichkeit 2. Ordnung bestimmt, beeinflusst und verändert mit ihren daraus begründeten Erzählungen und Taten ganz massiv die Wirklichkeit an sich.

Es gilt nämlich: "Wirklichkeit ist das was wirkt".

Anders gesagt: "Glaube versetzt Berge".

Ich kann einfach so tun "Als-Ob" es anders wäre und Zukünfte in Form von Erzählungen erfinden. Dann bitte bei möglichst allem, was ich denke, rede und handle, in die Richtung diese erfundenen Zukünfte gehen. Mit Herz und Verstand viele Wege ausprobieren, um die Erzählungen Wirklichkeit werden zu lassen. Kleine Schritte machen, damit aus Fehlern keine Katastrophen werden. So verändere ich mich und die Umwelt schrittweise, rücksichtsvoll und fehlertolerant.

"Am Anfang war das Wort" könnte stimmen. Aus Geschichten wird Geschichte gemacht.

Wenn ich meinem Verstand und meinen Sinnesorganen nicht immer trauen kann, wem denn dann? Für mich - einem begeisterten Tänzer - ist die Antwort einfach: "Body first", denn Körper lügen nicht!

Der Körper existiert im "Jetzt". Er ist in der Wirklichkeit an sich. Glücklicherweise ist der Körper nicht stumm, sondern sehr gesprächig.

Um die Sprache meines Körpers und die seiner einzelnen Teile (z.B. Haut, Unterleib, Darm, Magen, Herz, Hals, Kopf, Augen, Nase, Ohren) gut verstehen zu können, gehe ich sehr sorgsam mit ihm um. Je zufriedener und schmerzfreier er ist, desto unverzerrter und sensibler kann er mir Hinweise geben und helfen. Hilfe auch in dem Sinne, dass ich intuitiv spüre, ob meine innere Stimme zu einer Situation ja oder nein sagt.

Im Einklang mit der inneren Stimme handelt dann mein Körper und das Ich-Bewusstsein denkt sich gute Geschichten als Begründung für meine Handlungen aus, wenn das überhaupt jemand wissen möchte. Im Alltag interessiert es mich meistens selber nicht, warum ich so bin, wie ich bin!

Das Züricher Ressourcenmodell von Maja Storch und Frank Krause empfehle ich für die Fälle, wenn das meist gute Zusammenspiel zwischen innerer Stimme ("Würmli") und Ich-Bewußtsein leider nicht so harmonisch läuft und immer wieder innere Konflikte und Widersprüche nerven.

Ich unterscheide sehr bewusst zwischen Körper und Psyche und erlaube mir an dieser Stelle, zwei ungewöhnliche Begriffspaare zu bilden:

Körper = Selbst und Psyche = Ich

Der beseelte Körper ist für mich der Wesenskern und den bezeichne ich als "Selbst". Die Psyche ist für mich der Ego-Trick, den ich mit "Ich" gleichsetze.

Eine klare, gedankliche Unterscheidung von Selbst und Ich verändert die Bedeutung vieler zusammengesetzter Begriffe:

  • Selbstbewusstsein, -achtung, -liebe, -wertgefühl, -verwirklichung, -kontrolle, -wirksamkeit, -genügsamkeit, -etc., stehen in Bezug zum Körper.


  • Ich-Bewusstsein, Ich-Wirksamkeit, Ich-Liebe, Ich-Kontrolle, Egoismus, etc., beziehen sich auf die Psyche. 


Die Unterscheidung von Selbst und Ich und die damit einhergehende Veränderung der Sprache mag zunächst verwirren. Aber ich finde, dass es sich lohnt, einmal ganz bewusst anders zu denken, denn so stellt sich die Wirklichkeit direkt anders dar.

Gerade der gedankenlose Gebrauch von "Selbst", wo eigentlich "Ich" gemeint ist, fällt mir immer mehr auf. Das christlich-abendländische körperfeindliche Erbe hat über sehr lange Zeit ganze Arbeit geleistet und uns von unserem Selbst entfremdet.

Mein Ich übernimmt in Bezug auf mein Selbst nun eine ganz besondere Rolle:

Das Ich ist der Geschichtenerzähler, Diener und Aufpasser des Selbst.

Bei allen kommenden Möglichkeiten*, sorge das Ich mit seinen Erfahrungen und hoher Achtsamkeit gegenüber dem Selbst dafür, dass in erster Linie das Selbst und erst in zweiter Linie das Ich mit den verwirklichten Möglichkeiten* zufrieden sind.

*abgeleitet vom Zeitflussmodell von Viktor Frankl: Beim Durchtritt der künftigen Möglichkeiten (Zukunft) durch die Gegenwart werden diese zu verwirklichten Möglichkeiten (Vergangenheit).

Folgende Gedanken helfen mir dabei, Egoismus und Selbstliebe auf ein gesundes Maß zur reduzieren:

  1. Da alle Lebewesen und die unbelebte Mitwelt aus dem rätselhaften Urgrund, bzw. der Lebensfreude bestehen, sorge sich das Ich nicht nur um sein eigenes Selbst, sondern auch um alle anderen.
  2. Seit der Lektüre von Hans Jürgen Scheurles Buch über das "nicht einsame Gehirn", ist mit klar, dass Psyche (Denken, Ich, Geist) nicht innerhalb des Schädels stattfindet. Bewusstein entsteht immer in der Wechselwirkung mit anderen und zwar nicht im Gehirn, sondern als kreativer Vorgang zwischen miteinander wechselwirkenden Körpern und Psychen. Beginnend bei der Nahrung auf Zellebene bis hin zum Erzählen von Geschichten. Dass Menschen ab dem 3. bis 4. Lebensjahr der felsenfesten Ansicht sind, dass ein einziges "Ich" in ihnen wäre, ist demnach ein perfekt gelungener Trick.
  3. Wesen mit Psyche sind für mich aber nicht nur Menschen, sondern alles Lebendige verfügt über mehr oder weniger davon. Ganz im Sinn einer beseelten Natur. Einen Hauch von Geist (Selbstorganisation) haben sogar Atome und deren noch kleinere Bestandteile.


Das sind für mich ausreichende Gründe, der Mitwelt gegenüber gütig, rücksichtsvoll, fürsorglich, achtsam zu sein und mich mit allem verbunden zu fühlen.

Neben der Sorge für Umwelt und Mitgeschöpfe liegt mir noch ein anderes Thema am Herzen. Im Alter von 58 Lenzen sind das Altern und Tod.

Selbstverständlich bin ich sterblich, aber zum Alterungsprozess erzähle ich mir eine andere Geschichte als üblich: Ich glaube nicht, dass Altern immer mit Gebrechlichkeit und geistigem Verfall einhergehen muss. "Turne bis zur Urne" finde ich attraktiver.

Diese Erzählung glaube ich, handle danach und vermute, dass sie wirkt und meine Wirklichkeit ist:

  • Psychologisch auf mein Ich als eine sich selbst erfüllende Prophezeihung:
    Ich glaube fest, dass ich sowohl auf körperlicher, als auch auf geistiger Ebene frisch und munter bleiben kann.
  • Verhaltenstechnisch auf mein Selbst und mein Ich:
    Ich tanze regelmäßig Salsa, halte mich körperlich fit, lerne neue Sprachen, schreibe solche Sachen, achte auf die Ernährung, gönne mir ausreichend Ruhe und Erholung, nehme mir sehr viel Zeit für Liebe, Freundschaften, Familie. Die dafür notwendige Zeit ist mir so wichtig, dass die damit einhergende Reduzierung von Einkommen und Konsum keinen Verlust, sondern einen Gewinn darstellt. 
  • Physiologisch auf mein Selbst:
    Glauben und Verhalten wirken auf und über das autonome Nervensystem. Das regelt Blutdruck, Stresshormonlevel, Immunsystem, Bekämpfung von Krankheitserregerns und ist damit ein wesentlicher Faktor für die Fitness und Gesundheit meines Körpers.


Die Stereotype Embodiment Theory liefert dazu noch mehr Informationen. Wenn ich mit meiner Geschichte über das Altern recht habe - wovon ich fest ausgehe - dann könnte "Pflegenotstand" irgendwann ein Fremdwort sein, sofern viele andere das auch so glaubten und danach handelten.

Schlussfolgerungen

Den direkten Zugang zur Wirklichkeit an sich hat der beseelte Körper. Die Sinnesorgane konstruieren eine Wahrnehmungs-Welt der Sinne und die Psyche erzeugt in Wechselwirkung mit der Umwelt zusätzlich ein Ich und die Wirklichkeit 2. Ordnung. Sinnenwelt und Psyche folgen dabei zeitversetzt.

Jean-Paul Sartre sagt: "Es ist die Existenz, die der Essenz vorausgeht! Nehmen wir zur Kenntnis, dass der Mensch erst existiert, auf sich trifft, in die Welt eintritt, und sich erst dann definiert.“ Dieser Satz ist auf eine ganze Lebensspanne bezogen. Ich beziehe ihn auch auf jedes "Jetzt", also jede Gegenwart.

Denkvermögen, Ich-Bewusstsein in besonders ausgeprägter Form und das Erfinden von Geschichten, die auch intersubjektive Wirklichkeiten genannt werden, sind die Eigenschaften, welche uns Menschen von den meisten anderen Lebewesen unterscheiden. Die Wirklichkeiten 2. Ordnung, also die Geschichten, welche wir uns selbst und anderen erzählen, haben allerdings gewaltige Auswirkungen auf die Wirklichkeit an sich, wie wir aktuell an der Klimakrise bemerken und am CO2-Gehalt der Luft messen können.

Wir sind vermutlich die einzige Lebensform mit so hohem Ich-Bewusstsein, das wir uns beim eigenen Leben beobachten und mit Worten kommentieren können. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die meisten Menschen eine Trennung zwischen geistigen und körperlichen Vorgängen ("gefühlter Dualismus") machen.

Denkvermögen und Ich-Bewusstsein sind auch ursächlich für die vermeintliche Erkenntnis der Sterblichkeit und der Trennung von allen anderen Lebewesen. Für das Ich, als Ego-Trick, gilt das auf jeden Fall. Die Folgen davon sind Urängste vor Tod und Alleinsein und alle anderen sich daraus ergebenden Sorgen und Nöte.

Damit kann man sich und anderen das Leben zur Hölle machen. Himmel auf Erden und Hölle im Kopf, könnte man dazu auch sagen!

Also verzichte ich darauf, anderen zu sagen, was sie zu denken haben. Es reicht, wenn ich das mit mir mache. Bei anderen sorge ich mich um deren Körper. Tanzen ist eine von mir bevorzugte Methode, um mir und anderen Körpern Gutes zu tun. Ohne Tanzpartner dient mir diese Achtsamkeitsübung, um zu mehr Lebensfreude zu gelangen.

Ich sehe mich als Beobachter meiner Gefühle und Gedanken und erlaube mir, diese nicht immer für bare Münze zu nehmen. Auch sehe ich das Thema Tod und Einsamkeit entspannter. Allein fühle ich mich auf keinen Fall mehr, denn mein "Ich" gibt es nur in der Interaktion mit anderen. Alle Bestandteile meines Körpers werden jeden Tag durch Verstoffwechselung mit der Umwelt ausgetauscht. Die Bausteine, welche meinen Körper bilden, sind mindestens so alt wie die Erde und auch nach meinem Tod im ewigen Kreislauf des Lebens auf diesem Planeten unterwegs.

Also bin ich sehr zufrieden und dankbar, dass ich jetzt lebe, ein lebendiger Teil der Welt bin und mir solche Gedanken machen kann.

Meinem Denkvermögen und Ich-Bewusstsein gewinne ich - trotz aller Schwächen - viele positive Seiten ab. Mit Worten und Gedanken kann ich zum Beispiel neue Erzählungen erschaffen und so die Welt verändern. Auch helfen sie mir dabei, das zu tun, was mich glücklich und zufrieden macht: Viel Bewegung an der frischen Luft und am Spiel des Lebens mit Neugierde, Zärtlichkeit, Lust und Liebe teilnehmen.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass alle Menschen ein gesundes und positives Verhältnis zu ihrem Körper entwickeln. Schon im Mutterleib beginnt ein intensives Erkunden der eigenen Körpergrenzen durch die Hände des Embryos. Nur bei ausreichender Fremd- und Selbst-Berührung kann sich ein Mensch entwickeln. Nichts ist für die Menschwerdung wichtiger und wesentlicher, als durch Berührung und Begreifen zu sich selber zu finden.

Der Prozess ist aber nicht mit der Geburt abgeschlossen, sondern geht lebenslang weiter. Auch das Entdecken der eigenen Lust durch Selbstbefriedigung ist sinnvoll, um Selbst-sicher und mit genügend Selbst-liebe den Irrungen und Wirrungen in menschlichen Beziehungen zu begegnen und dabei immer gut für sein Selbst zu sorgen.

Folgende Bücher haben mir bei meiner Geschichte aussergewöhnlich gut getan und darum empfehle ich sie hier ganz besonders:

  • Epikur (ca. 341 bis 270 v. Chr.) „Die Überwindung der Furcht“
  • Laozi (ca. 600 v. Chr.) „Tao te King“
  • Viktor Frankl (1905 – 1997) „...trotzdem Ja zum Leben sagen“ 
  • Christoph Quarch (geb. 1964) "Das große Ja. Ein philosophischer Wegweiser zum Sinn des Lebens"


Epikur ist schlicht und ergreifend genial, speziell zum Thema Tod und Furcht. Das "Wu Wei" Nichthandeln Konzept von Laozi ist mir sehr sympathisch. Das Sinn-Suche-Konzept von Viktor Frankl dreht die schwer zu beantwortende Frage „Was will ich vom Leben?“ in die einfacher zu beantwortetende Frage „Was will das Leben von mir?“ um. Christoph Quarch stellt im Fahrwasser von Viktor Frankl eine für mich absolut stimmige Lebenssinn-Idee vor, die mir gerade als Tänzer vortrefflich gefällt.

Antworten auf die Fragen des Lebens an mich gibt jederzeit der beseelte Körper:
Angefangen bei Krankheit, Schmerzen und Unwohlsein bis hin zu Schmetterlingen im Bauch. Um diesem Körperkompass vertrauen zu können, gehe ich sorgsam mit meinem Körper um und achte auf seine vielen Rhythmen: Herz-, Atem-, Tag-, Nacht-, Anspannungs-, Entspannungs-, Arbeit-, Freizeit-Rhythmus wollen im Takt bleiben, damit der Körper möglichst ohne Störungen und Verspannungen bleibt.

Der Körper gibt mir meistens klare Hinweise und das Ich darf mit wachem Verstand unterstützen und beschützen. Wichtig ist, dass mein Ich zu den Antworten des Körpers immer Nein-Sagen darf, wenn gute Gründe vorliegen. Ich muss mir also nicht alles von meinem Körper gefallen lassen.

Was gut für den Körper ist und welche Tugenden Seelenfrieden bringen ist bekannt. Positives Denken ist aber nicht ausreichend. Der Hormonhaushalt ist offensichtlich wesentlicher, denn gegen Stimmungslagen kommt Denken nicht an.
Was gut für mich und meinen Hormonhaushalt ist, habe ich im Laufe meines Lebens in vielfältiger Weise ausprobieren und erfahren können. Also mache ich es einfach.

Traut euch, dem Leben die Führung zu überlassen und dabei achtsam auf euren Körper zu hören und zu spüren ob sich etwas stimmig anfühlt oder eben nicht. Achtet darauf, welche Geschichten ihr euch selber und anderen gegenüber erfindet, erzählt und glaubt.

Wenn Men­schen das täten, dann würden sie vielleicht 

  • mehr Zeit mit ihren Kindern, Partnern, Freunden und anderen Mitgeschöpfen verbringen,
  • mehr an der frischen Luft sein, sich an Sonne, Regen, Wind und der Natur erfreuen,
  • mehr tanzen, lieben, lachen, spielen, toben, singen, laufen, radeln, schwimmen,...
  • ihren Körpersignalen vertrauen können, zufriedenere Beziehungen leben,
  • Nicht-Tun, was Ihnen Unwohlsein, Schmerzen oder Krankheiten bringt,
  • weniger und viel bewusster essen, auf ihr Körpergewicht achten,
  • weniger arbeiten - nur noch das "Not-"wendige, 
  • Umwelt und Mitgeschöpfe anders behandeln,
  • weniger konsumieren und Besitz anhäufen,
  • mehr berühren und berührt werden, 
  • mehr teilen und mehr helfen 
  • mehr machen statt reden
  • ....


Lasst uns die Welt, in der wir gelebt haben wollen, in Form von Erzählungen erfinden. Dann werden wir die Wege dahin finden.

Machen wir es. Einfach. Schritt für Schritt. Und die Wege bereiten schon Freude.

 

So tun "Als-Ob" Nachtrag 1

Vielleicht ist Leben auf diesem Planeten anders zu betrachten?

Ein Mensch mit 70 KG Körpergewicht besteht aus ca. 30 Billionen Körperzellen und 39 Billionen Bakterien. In den 30 Billionen Körperzellen sind Mitochondrien enthalten, teilweise mehr als 1.000 pro Zelle. Mitochondrien sind unsere Kraftwerke und waren einmal eigenständige Bakterien, die eine Symbiose mit den Vorläufern der Eukaryoten eingegangen sind. Mitochondrien kommen in nahezu jedem Lebewesen vor, vermehren sich durch Zellteilung und sind eigentlich 2 Milliarden Jahre alte Bakterien.

Sind vielleicht die Mitochondrien die Krone der Schöpfung, weil sie es in die Zellen fast aller Lebewesen geschafft haben?

Sind wir Menschen nur eine Variante dieses evolutionären Spiels der Mitochondrien?
Sind die Mitochondrien der Superorganismus dieses Planeten?

Was für eine Art von Psyche haben Bakterien bzw. Mitochondrien?

Ginge es jedem Einzelnen von uns besser, wenn er sich für optimale Lebensbedingungen seiner Mitochondrien in 30 Billionen Körperzellen und 39 Billionen Bakterien einsetzen würde?

Könnte man mit diesem Denken eine andere Art von Medizin begründen?

Können wir unser "Ich" und dessen spezielle Sorgen und Nöte - unabhängig von konstruktivistischen Erwägungen - auf die leichtere Schulter nehmen?

In Bezug auf mich und meine Idee, welche ich mit diesem Essay verfolge, schließe ich daraus:

Solange die Sonne scheint, ist es aus der Sicht von Bakterien völlig egal, ob sich Menschen ändern. Bakterien werden - egal was wir Menschen auch anstellen - irgendwo und irgendwie weiterleben.

So tun "Als-Ob" Nachtrag 2

Wem das mit den Mitochondrien und Bakterien nicht konsequent zu Ende gedacht ist, weil die unbelebte Materie aussen vor bleibt und in 5 Milliarden Jahren - nach dem Erlöschen unserer Sonne - auch für das letzte Bakterium Schluss ist, der findet hier eine andere Geschichte:

Meine älteste Tochter Diana frug mich 1997 - sie war damals 9 Jahre alt - als wir an einem ein blühenden Rapsfeld vorbei fuhren: "Bestehen wir eigentlich alle aus umgewandeltem Sonnenlicht?"

Nach kurzem und erstauntem Nachdenken, war meine Antwort: "Ja".

Ein wenig Recherchieren liefert dann auch noch den Schluss dieser Geschichte, bzw. den Anfang aller Geschichten:

Die Erde besteht zu über 90 % aus Sternenstaub, folglich sind alle Lebewesen Sternenstaub, angetrieben durch Sonnenlicht. Eine schöne Geschichte.

So tun "Als-Ob" Nachtrag 3

Es geht allerdings noch exotischer und dazu verwende ich die Ideen und Gedanken von Carlo Rovelli.

Grundsätzlich ist er folgender Meinung: "Immer in Betracht zu ziehen, dass alles, was sie hören unwahr ist." Das macht ihn sehr glaubwürdig, denn ich vertrete genau dieselbe Meinung.

Er forscht seit langem daran, Zeit und Raum zu verstehen. Dazu versucht er die beiden grundlegenden Theorien der Physik, Relativitätstheorie und Quantenmechanik, gemeinsam zu formulieren. Das geht nach Carlo Rovelli nur, wenn Raum und Zeit aus kleinsten Teilchen (Quanten) bestehen. Konsequent zu Ende gedacht, ergibt das eine Welt, in der es keine Materie gibt, sondern nur noch Ereignisse. Wenn dem so wäre, dann gäbe es auch keinen vermeintlichen Gegensatz zwischen Körper und Geist mehr.

Er nennt seine Physik-Theorie "Quantengravitation" und Rovellis besondere Theorie ist die Loop quantum gravity. (Ich verlinke auf die englischsprachigen Wikipedia-Texte, weil diese aktueller sind, als die deutschen Texte. Der Vollständigkeit halber auch der Link zur Schleifenquantengravitation.)
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Ergänzende Informationen

Zur aktuellen Situation anläßlich der Corona-Pandemie verweise ich auf Albert Kitzler´s philosophische Gedanken vom 20.03.2020. Insgesamt 4 Seiten. Hier ein Auszug:
Aber übersteigt nicht das, was wir gegenwärtig erleben und was noch zu befürchten steht, unsere Fähigkeit zu erdulden? 
„Es gibt keine noch so schreckliche Kunde, noch ein Schicksal, noch ein durch den Zorn der Himmlischen gesandtes Unglück“, pflegte Sokrates zu sagen, „das die menschliche Natur nicht mit Geduld aushalten könnte.“ 
Schwer fällt es nur demjenigen, der sich nie mit einer Haltung der Demut und Bescheidenheit vertraut gemacht, der jenes „Erkenne dich selbst“, nämlich als ein begrenztes, sterbliches, schwaches Wesen, das unerbittlich dem Auf und Ab des unberechenbaren Lebens ausgesetzt ist, nie sich klargemacht und verinnerlicht hat.

Leider gilt das offenbar für viele Menschen.


Um den Ego-Trick sauber von der Ego-Illusion zu unterscheiden, diene dieser TED-Talk von Julian Baggini. Is there a real you? .

"Das Gehirn ist nicht einsam: Resonanzen zwischen Gehirn, Leib und Umwelt" von Hans Jürgen Scheurle, (Kohlhammer Verlag). Es gibt mehr als 5 Sinne. Im Gehirn sind keine Gedanken. Ein spannendes Buch mit umwerfenden Erkenntnissen.

"Die Ich-Illusion" von Michael Gazzaniga (Carl-Hanser-Verlag). Ein aktuelles, hochinteressantes Buch aus dem Reich der sozialen Neurowissenschaften. Besonders aufschlussreich Kapitel 3 "Der Interpret". Dort erklärt Gazzaniga, wo und wie das kohärente ICH-Bewußtsein Geschichten erfindet, um alle unsere Handlungen zu rechtfertigen. Gazzaniga bezieht sich dabei anscheinend nur auf geschehene Handlungen und nicht auf das Warum und Wofür dieser Handlungen. Ich sehe jedoch auch das Potential dieses fabulierenden, kreativen Interpreten für die Gestaltung der Zukunft und unsere Motivation etwas zu tun. Ich erfinde also Zukunftsgeschichten, plane dazu passende Handlungen, setze diese um und schaue, wie weit ich damit komme. Je nach Motivation kann das ein lebenslanger Lernprozess werden. Das ist freier, schöpferischer Geist in Aktion.

"Der Mensch lebt nicht vom Hirn allein" von Patrick Spät, Eigenverlag. Wie kommt der Geist auf diese Welt - der graduelle Panpsychismus ist ein Antwortversuch.

"Mensch und Welt" von Wolfgang Welsch, Beck-Verlag. Aufbauend auf der Selbstorganisation von Atomen, Galaxien und Planetensystemen, weiterführend über Empfindung, Wahrnehmung, Rationalität und Reflexion bei Lebewesen zeigt Wolfgang Welsch einleuchtend, dass "Geist" nicht nur für Erkenntnisse von Individuen gut ist. Seine wahre Bedeutung ist Selbsterfassung und Selbstvorantreibung aus der Perspektive des Seins.

"Monadologie - Lehrsätze der Philosophie" von Gottfried Wilhelm Leibniz, (wissenschaftliche Buchgesellschaft). Die Monadologie ist einer der wichtigsten Texte des Philosophen Leibniz. Er fasst seine gesamte Lehre, besonders die Beschreibung der Welt auf der Grundlage seines rationalistischen Systems, zusammen. So ist auf engem Raum alles Wesentliche zur Leibniz´schen Lehre versammelt, von der Idee der Monade bis hin zu einer rational begründeten Ethik. Diese Ausgabe liefert nicht nur den französischen Text mit deutscher Übersetzung, sondern auch eine ausführliche Kommentierung und Erläuterung samt aktueller Bibliographie. Damit wird ein Basistext der Philosophiegeschichte neu zugänglich gemacht.

"Dein Körper sagt Dir wer du werden kannst" Focusing, der innere Weg zur Achtsamkeit von Klaus Renn (Herder Verlag): Werden, der ich bin; den ganz eigenen Weg gehen. Dazu braucht es eine sichere Beziehung zu sich selbst und eine gute Intuition für das, was ansteht. Anregungen und Übungen für den Dialog mit sich selbst, der weiterbringt – von einem erfahrenen Psychotherapeuten und Focusing-Experten.

Körpersignale: Botschaften aus der Innenwelt. Die Signale des Körpers können wichtige Informationen offenbaren – oder in die Irre führen. Wie sind sie zu deuten? Ein Dossier aus der ZEIT, vom November 2018. Dazu passend, die einfache Übung, um die Botschaften leichter hören zu können.

Zwischen Körper und Geist scheinen die Faszien eine entscheidende Rolle zu spielen. ARTE berichtet in 52 beindruckenden Minuten über den aktuellen Stand der Forschung (Stand Jan. 2018). Als bekennendem Salsa-Tänzer (siehe ganz unten) ist es mir eine besondere Freude, wenn Robert Schleip an dieser Stelle betont: "...und dann kann ein einzelner Wirbel auch abgenutzt sein und sie können trotzdem kerzengerade Salsakönigin von Kuba werden.

Warum Berühren so wichtig ist. In diesem Interview spricht Dr. Martin Grunwald über das Tastsinnessystem. Warum ist es überlebenswichtig und was unterscheidet sexuelle von nicht sexueller Berührung? Diese und andere Fragen werden in diesem Interview beantwortet.

"Tatsch me - if you can!" Ein berührender Podcast des Deutschlandfunk, veröffentlicht am 23.06.2019 - Martin Grunwald leitet das Haptik-Forschungslabor an der Uni Leipzig. Er spricht den Eröffnungsvortrag zum Thema "Berührungswelten: Wie fühlt unsere Gesellschaft?" auf einer Veranstaltung der Berliner Schering Stiftung in Zusammenarbeit mit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften am 19.2.2019. Mit Grunwald diskutierten anschließend vor Publikum: die Informatikerin für Mensch-Technik-Interaktion, Elisabeth André von der Universität Augsburg, die Theater- und Tanzwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter von der Freien Universität Berlin und der Sozialpädagoge Reiner Delgado vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

"Homo hapticus, Warum wir ohne Tastsinn nicht leben können" Wissenschaft zum Anfassen: „Fühlen und tasten ist viel wichtiger für unser Überleben als sehen, hören, riechen und schmecken“, sagt und schreibt Martin Grunwald. (Verlag Droemer-Knaur). Er gründete 1996 das Haptik-Labor am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig, wo er die Wirkungsweise des menschlichen Tastsinns erforscht.
In seinem Sachbuch "Homo hapticus" - Gewinner des Wissenschaftsbuchpreises 2018 in der Kategorie Medizin/Biologie - beschreibt der experimentelle Psychologe erstmals für ein breites Publikum, welch überragenden Einfluss der lange Zeit unterschätzte Tastsinn auf alle menschlichen Lebensbereiche hat.

SWR 2 AULA vom 23.02.2020: "Entdeckung der Sinnlichkeit, die Kraft der Berührung"

Wilhelm Schmid erzählt über den oft unterschätzten Tastsinn  Dabei hat er eine fundamentale Bedeutung. Er ermöglicht eine besondere Verbindung mit uns und anderen.


"Homo Deus, eine Geschichte von Morgen"  Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind.  Yuval Noah Harari schreibt 576 Seiten, welche sich unbedingt lohnen.

Christoph Joseph Ahlers: Himmel auf Erden und Hölle im Kopf
Das derzeit lesenswerteste Buch zur menschlichen Sexualität. C.J. Ahlers betrachtet das Thema auf eine ungewohnte Art und Weise: Sex als intimste Form von Kommunikation, als intensive Möglichkeit, psychosoziale Grundbedürfnisse körperlich und seelisch zugleich zu erfüllen. Was mich sehr begeistert, ist seine kontinuale Betrachtungsweise, die er einem klassischen Entweder-Oder-Denken gegenüberstellt. Dieses kontinuale Denken braucht es in allen Bereichen.

"Embodiment: Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen" von Wolfgang Tschacher, Maja Storch, Gerald Hüther, Benita Cantieni, Hogrefe Verlag

Maja Storch gibt einen Einblick in Anwendungsmöglichkeiten des Embodimentansatzes, gewürzt mit praktischen Beispielen.

"Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen" von Rüdiger Safranski, Hanser-Verlag

"Die Ordnung der Zeit" von Carlo Rovelli. Im Universum gibt es keine allgemeine Gegenwart, sondern nur Ereignisse? Rovelli nimmt uns mit auf eine Reise durch unsere Vorstellungen von der Zeit und spürt ihren Regeln und Rätseln nach. Rowohlt-Verlag

"Ein Physiker und eine Philosophin spielen mit der Zeit" Harald Lesch und Ursula Forstner spielen mit der Zeit. Der Naturphilosoph Alfred N. Whitehead und der ohne Uhr lebende Zeitforscher Karlheinz-Geissler spielen das Fragespiel mit. Werden und Ereignisse sind die Basis aller Dinge. Patmos Verlag

"Der Lauf des Wassers" von Alan Watts (Eine Einführung in den Daoismus - mit viel Lachen und Humor) Droemer-Knauer-Verlag

"Warum Einstein immer Socken trug" von Christian Ankowitsch. Ein Buch für alle, die mehr darüber erfahren möchten, wie die Wirklichkeit 2. Ordnung das Selbst und das Ich permanent beeinflusst. Rowohlt-Verlag

"Einführung in den Konstruktivismus" mit Beiträgen von Heinz von Foerster, Ernst von Glaserfeld, Peter M. Hejl, Siegfried J. Schmidt und Paul Watzlawick, Piper-Verlag

"Die erfundene Wirklichkeit" herausgegeben von Paul Watzlawick, Piper-Verlag

"Das Prinzip Selbstverantwortung". Auch in Unternehmen gibt es soviele Wirklichkeiten, wie es Mitarbeiter gibt. Interessante Einsichten für Manager von Reinhard K. Sprenger, Campus Verlag,

"Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung." von Hartmut Rosa, Suhrkamp Verlag Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung. Viel Text aber auch viele, sehr anschauliche Beispiele, wie und wo Resonanzen entstehen können. Dafür bedarf es der Absichtslosigkeit und der Langsamkeit.

Die Gedankenwelten von Giordano Bruno und ganz besonders die von Ludwig Feuerbach bieten weitere spannende und erkenntnisreiche Einsichten: "Ludwig Feuerbach, Denker der Menschlichkeit" Eine Biographie von Josef Winiger.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Radiointerview vom 23.11.2017 "Turne bis zur Urne"

"Altersbilder als Einflussfaktoren von Alternsprozessen" von Prof. Dr. Eric Schmitt,
Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg, Zürich, 9. 2. 2017, ein PDF-Dokument im Internet zu Stereotype Embodiment Theory (Hinweis: Wenn Sie den Link anklicken, dann wird ein PDF-Dokument in ihren Download-Ordner geladen. Im Browserfenster sehen sie davon nichts).

Warum Bewegung eine feine Sache ist und auch der Geist davon profitiert, können Sie hier sehen: Wendy Suzuki in einen belebenden TED-Talk "The brain changing benefits of exercise" - einfach machen!

SWR2 Wissen - Bewegung und Denken - wie hängt das Zusammen? Ein Podcast aus dem September 2018.

Die Begriffe Emotion und Gefühl unterscheide ich folgendermaßen:
Emotion ist der physiologische Zustand des Körpers. Das sind u.a. Blutdruck, Hormonspiegel, Pulsschlag, Hautwiederstand und weitere messbare Werte. Englisch nenne ich es "energy in motion - Energie in Bewegung - E-Motion". Diese E-Motion ist die Wirklichkeit (an sich) meines Körpers, verändert sich dauernd und meine Sinnesorgane machen daraus in Verbindung mit ihren Sinneswahrnehmungen die Wirklichkeit 2. Ordnung.
Gefühle werden von der Psyche gebildet und sind demzufolge ein Bestandteil meiner Wirklichkeit 2. Ordnung. Gefühle werden immer in Sprachform mitgeteilt.
Zu meiner speziellen Denkweise über Emotionen und Gefühle ein englischsprachiger TED-Talk: Why you feel what you feel | Alan Watkins | TEDxOxford (besonders die ersten 13 Minuten)

David Chalmers philosophiert in einem anschaulichen TED-Talk über das Bewusstsein und den Panpsychismus: How do you explain consciousness? (incl. deutscher Übersetzung)

Zu besonderen Sichtweise in Bezug auf Mitochondrien ein spannendes Interview mit dem Nobelpreisträger und Biochemiker Gottfried Schatz: Gottfried Schatz: Das Rätsel unserer Lebensenergie
Nach diesem Video sollte man eigentlich sicher sein, dass wir Menschen das Leben auf diesem Planeten nicht auslöschen können, solange die Sonne scheint. Das mag aus Sicht von Mitochondrien tröstlich sein, denn sie überleben jede menschengemachte Katastrophe, entbindet den Menschen aber nicht von seiner Verantwortung für seine Handlungen, denn wir wissen von unserer Macht und ihrem Zerstörungspotential.
Bakterien als die wahren Drahtzieher in unseren Köpfen? Leben in unseren Gehirnen Bakterien, die uns beeinflussen können? Gibt es neben dem Darm-Mikrobiom auch ein Gehirn-Mikrobiom?

Warum alles mit allem verbunden ist erzählt Tom Chi in einem TEDx-Talk aus 2016 auf dreifache, sehr beeindruckende Weise. Dabei spielen die Gegenspieler der Mitochondrien, Cyanobakterien und Chloroplasten, eine Hauptrolle. Lassen Sie sich überraschen.

"Meine Bakterien und ich, der Mensch als Metaorganismus." Eine Sendung des DLF vom 30.12.2018. Ein Körper mit seinen Organen, scharf abgegrenzt von der Umwelt, in der er überleben muss. So stellt man sich einen Organismus vor. Doch diese Grundannahme ist überholt: Organismen pflegen rege Beziehungen zu ganzen Heerscharen von Mikroben. Ohne Mikroben sind wir nichts.

"Schlau mit Darm" Michaela Axt-Gadermann liefert einen tiefen Blick in unsere Eingeweide und zeigt Wege zu einer gesunden Darmflora. Damit es nicht nur den Bakterien im Darm gut geht, sondern dem Menschen, dessen Mitbewohner sie sind. Stress, Erschöpfung und Depressionen kann man auf diesem, leicht anrüchigen Weg begegnen.

Unser Bauch - Die wunderbare Welt des Mikrobioms - Einblicke in unsere Innenwelt der etwas anderen Art. ARTE Beitrage vom 19.10.2019

Gottfried Schatz hat das Feuer des Lebens in den Mitochondrien gefunden. Tulku Lobsang könnte genau dieses Feuer meinen, dass er Ihnen in seinem Vortrag vom 16.06.2017 in Englisch und Spanisch näherbringen möchte. Buddhanatur = Mitochondrien? Alles ist möglich, dem der glaubt!

Für ein radikales Umdenken hin zu einer beseelten Natur plädiert Andreas Weber in einem sehr poetischen und hörenswerten Beitrag auf SWR2 Wissen. (Anmerkung: Es waren nicht 6000 Wissenschaftler, sondern nur 200, die 6000 Studien begutachtet haben!)

Passend zur beseelten Natur schreibt Christoph Quarch zum Sinn der Lebens. "Das große Ja. Ein philosophischer Wegweiser zum Sinn des Lebens" im Sinne Viktor Frankl´s zeigt er einen Weg aus der Sinnfinsternis unserer Tage. Warum Sinn niemals gemacht, sondern immer nur gefunden werden kann. Zur Einstimmung hier der Link auf ein aktuelles Interview mit Christoph Quarch.

Die Erzählung vom Sternenstaub ein wenig anders erklärt: Der große Kreislauf der Materie. Prof. Harald Lesch mit seiner Lieblingsgeschichte.

"Manifest des neuen Realismus" von Maurizio Ferraris, Vittorio Klostermann passend zur Postmodernen und postfaktischen Fake-News Realität und wie das ganze entstanden ist.

Ernst Friedrich Schumacher: "Small is beautiful: Die Rückkehr zum menschlichen Maß", Oekom-Verlag. Das Prinzip des »Größer, Schneller, Mehr« ist am Ende. Die Natur ächzt unter der Ausbeutung ihrer Ressourcen, eine überentwickelte Technik und eine entfesselte Wirtschaft stoßen immer öfter an ihre Grenzen. Zu einer Zeit, in der die Gesellschaft noch unreflektiert der Religion des »industriellen Gigantismus« anhing, hat Ernst F. Schumacher die heutige Systemkrise bereits vorausgeahnt. Mit seiner Vision einer humanen Technologie, die einen geringeren Fußabdruck hinterlässt und den Menschen ein Höchstmaß an selbstbestimmten Tätigkeiten erlaubt, hat er viel von dem vorweggenommen, was wir heute unter nachhaltiger Entwicklung verstehen. »Small is beautiful« ist daher aktueller denn je, ein perfekter Wegweiser in eine Welt, in der die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt.

"Gegen Wahlen - Warum Abstimmungen nicht demokratisch sind", von David Van Reybrouck, Wallstein Verlag. Ein informatives Essay über sehr alte und neue Wege von mehr Bürgerbeteiligung. Neben einer Analyse unserer Politikverdrossenheit werden sehr viele weiterführende Informationen geboten. Somit bietet das leicht verdauliche Buch einen perfekten Einsteig in dieses Thema an. Pflichtlektüre für jeden politisch interessierten Bürger. Lesenswert von Anfang bis Ende.

Ein schönes Beispiel für per Losentscheid bestimmte Bürger, die vorübergehend Gesetze beschließen, stand in der ZEIT Nr. 4 2017. Hier für alle, die kein ZEIT-Abonnement haben.
Ein Philosoph und Bürgermeister berichtet über seine mehr als 20-jährigen Erfahrungen mit konstruktiver Demokratie. Bürgerbeteiligung im Elsass „Man muss über eine neue Beziehung zur Macht nachdenken“. Mit ausgelosten Teilnehmern arbeiten die Bürger im elsässischen Kingersheim die Vorlagen für den Stadtrat aus. „Wichtig ist dabei, dass wir als gewählte Vertreter uns nicht anmaßen, alles allein vorab zu entscheiden“, sagt Bürgermeister Joseph Spiegel über dieses Pilotprojekt der Partizipation.
Joseph Spiegel im Gespräch mit Michael Magercord.

Frisch aus der Druckerpresse (Februar 2019) überträgt Stefann Brunnhuber in "Die offene Gesellschaft" Sir Karl Poppers Ideen von 1945 in die heutige Zeit. Jenseits von Lagerdenken und -ismen zeigt er einen "klugen" Weg in die Zukunft, die nicht erst morgen beginnt, sondern schon immer dabei ist, wenn wir etwas tun oder lassen. So leben wir nämlich nicht auf Kosten der Zukunft - weil das einfach nicht möglich ist - sondern immer auf Kosten von anderen und zwar genau jetzt. Es ist an uns, selbstkritisch mit uns und kritisch mit der Welt umzugehen, um es "besser" zu machen. Sozusagen frei nach Lichtenberg: "Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll". Brunnhuber liefert ein klares und nachvollziehbare Plädoyer für aktives Mitmachen bei der Entwicklung unserer Welt. Dafür bedarf es keiner Profis, sondern kritischer Bürger und Mut, aus Fehlern zu lernen.

Wer ungefähr ahnen möchte, wie ich mich immer öfter fühle, der höre und lausche dieser Interpretation von "Gracias a la Vida" von Gaby Moreno und Konstantin Wecker Gracias a la Vida live 2016 (Das Lied ist eigentlich bei 06:58 min zu Ende, geht dann aber mit Wiederholungen weiter!) Besonders der Text und der Gesang von Konstantin gefallen mir sensationell gut, zumal Klavier und Gesang auch mein Ding sind - neben Tanzen, Laufen, Radeln und Schwimmen.

Zum Stichwort Zelle und diesseitigem Lebensgenuss hat dieser spezielle, deutsche Philosoph eine ganz besondere Ansicht. Lassen Sie sich überraschen "Zellen"

Wem das alles zu viel Text ist und wer einfacher in den Moment kommen möchte, dem kann ich nur raten, mit Tanzen anzufangen und nie mehr damit aufzuhören. Hier können Sie meine liebe Tanzfreundin Yasmin am Strand des Fühlinger Sees im Sommer 2019 mit mir Salsa tanzen sehen.